Der anstrengendste Job überhaupt? Bahnfrei sucht!

Der anstrengendste Job überhaupt? Bahnfrei sucht!

Bahnfrei sucht ab September eine neue Jugendarbeiter:in. Um einen Eindruck davon zu bekommen, worauf Du Dich hier potenziellerweise einlässt - unsere Mitarbeiterin Elise hat den Alltag bei Bahnfrei sehr pointiert beschrieben. :-)

Ein Tag als Jugendarbeiterin

Wie würde ich meinen Job beschreiben? Meine Freundin:innen glauben, es ist das anstrengendste überhaupt. Die Jugendlichen - oder auch Kids, wie wir Jugenarbeiter:innen "im Fachjargon" sagen - finden, mein Job besteht aus Chillen (Dienste im offenen Clubbetrieb) und Spazieren gehen (Streetwork). Also ein Traumjob. Und ganz ehrlich, ich mache meine Arbeit wirklich gern und manchmal chille ich wirklich in der Arbeit.

Wie sieht also so ein Alltag aus? Da fängts schon mal an. Jeder Tag ist anders. Man möchte meinen, es ist recht strukturiert, denn jede Woche wiederholt sich das Programm bestehend aus offenem Jugendclub, Aufsuchender Jugendarbeit und Beratung. Diese Punkte und eine Teamsitzung finden auch wöchentlich im gleichen Rhythmus statt, und doch ist es auch schon das einzige, was fix ist. Nehmen wir an, es wäre Donnerstag, eine halbe Stunde vor Öffnung unseres Jugendclubs in den Waggons treffe ich mich zu einer Vorbesprechung mit meiner Kolleg:in im Büro. Dazu gehört auch herauszufinden, was am Vortag so los war. Es könnte sein, dass ein:e Jugendliche:r ausgemacht hat, dass sie oder er was abholen, zurückbringen, kopieren, ausdrucken muss, vielleicht hat sich auch ein Jugendlicher “für eine Wiedergutmachung empfohlen” oder seinen Reisepass in den Waggons verloren. Also, Teamwork und Kommunikation stehen bei uns hoch im Kurs und gearbeitet wird - außer in der Beratung - immer zu zweit.

Aber legen wir mal los, Theo sollte zwar noch das von uns geborgte Rad zurückgeben, taucht aber nicht auf, heute wollten Sarah und Samuel noch ein Video drehen, also Kamera eingepackt und los gehts in die Waggons. Am Weg treffen wir Gülay, sie ist gerade mit dem Hund spazieren und möchte heute auch zum Videodreh, darf aber nicht raus, weil sie für die Mathe-Schularbeit lernen muss. Kurzes abklären, dass wir ihre Eltern nicht überreden werden, dass sie raus MUSS wegen Bahnfrei. Etwas zu spät treffen wir bei den Waggons ein und werden freudig erwartet von Vorwürfen, dass wir unpünktlich sind, begleitet von Tippen auf eine imaginierte Armbanduhr (warum machen das auch Personen aus der Generation “Native Smartphone”?) und Verhandlungen über längeres Offenbleiben wegen der verlorenen Zeit. Eigentlich könnten wir jetzt mal aufsperren und loslegen, aber wir haben ja das Jahr 2021 und wir dürfen unseren 3G-Check-In aufbauen. Die Sonne scheint und die Kids sind gut drauf, also werden gleich mal mit ihrer Hilfe ein paar Möbelstücke auf die Terrasse gestellt - sehr schön, heute muss ich nicht allein im Sonnenschein chillen.

An der Tür läuft gerade eine Petition für Murat, er hat keinen gültigen Covid-Test und alle setzen sich für ihn ein. Du willst dein:e Kolleg:in unterstützen, da läutet das Teamhandy: Theo steht jetzt mit dem Fahrrad vor dem Büro und hat null Bock mit dem Fahrrad zu den Waggons zu kommen. Aber er möchte unbedingt mit uns reden, da er von der Polizei zu einer Zeugeneinvernahme geladen wurde. Murat ist mittlerweile beleidigt abgezogen, Sarah und Samuel brauchen dringend das Kamera-Equipment und Zutritt zum Studio. Du wolltest dich zwar gerade in die UNO Partie von Vlada, Ali und Lydia einklinken, aber heute ist auch gemeinsames Kochen geplant, wofür noch eine Einkaufsliste mit den Kochbegeisterten erstellt werden muss. Auf der Terrasse ist eine Jungmännergruppe in einer heißen Diskussion über die Vorteile von Masturbation und deren Vereinbarkeit mit diversen Religionen, die Meinung deiner Kolleg:in dazu ist gerade sehr gefragt. Meine Aufmerksamkeit wird aber von einem heftigen Streit abgezogen. Leon und Reza beschimpfen sich gerade wüst, Jason versucht zu schlichten. Ich unterstütze ihn dabei, meine Einmischung wird aber als äußerst verzichtbar erlebt. Da heißt es jetzt meine Position klarzumachen, mir Respekt verschaffen und gleichzeitig zu deeskalieren.

Aber da vollzieht sich eine überraschende Wende, meine Einmischung eint die Streitenden in ihrem Recht auf Konflikte, die mich nichts angehen. Sie verstehen sich auf einmal wieder blendend und wollen die Situation nicht mit mir reflektieren. Jason unterstützt aber meine Argumente von Gewaltfreiheit in den Waggons und meinen Versuch der Klärung. Es entwickelt sich ein sehr spannendes Gespräch über Respekt und Stolz. Trotzdem schau ich besser mal in der Küche vorbei, es riecht etwas angebrannt, mein:e Kolleg:in ist zum Glück schon im Einsatz. Ich glaub, ich geh jetzt mal chillen.

Den Link zur Stellenausschreibung findest Du hier.